Zusammenfassung
100.000 Euro für die Ausbildung des Kindes? So bauen Eltern schon früh einen realistischen Sparplan auf – inklusive Kindergeld, ETF-Sparplan und staatlicher Förderung.
Peter ist sieben Jahre alt und kann nicht genug bekommen von startenden und landenden Flugzeugen. Auf dem Weg zur Grundschule in Fulda bleibt er stehen, wenn hoch am Himmel ein Kondensstreifen erscheint, und zu Hause stapeln sich Modellflugzeuge auf dem Regal. „Ich werde Pilot", sagt er beim Abendessen, so selbstverständlich, wie andere Kinder sagen, sie würden Fußballprofi oder Tierärztin. Seine Eltern, Herr und Frau Wagner, lächeln – und beginnen über Kosten nachzudenken. Der Vater arbeitet bei einer Versicherung, die Mutter ist Krankenschwester, das Paar zahlt seit einigen Jahren die Eigentumswohnung ab. Zwei Kinder haben sie: Peter und die elfjährige Martina, die von einem Medizinstudium träumt. Besonders der Pilotenberuf hat es in sich: Eine Flugausbildung an einer privaten Flugschule kann schnell 80.000 bis 100.000 Euro kosten – und einen großen Teil davon müssen Familien oft aus eigener Tasche zahlen.
Was macht eine Familie wie die Wagners in dieser Situation? Wie lässt sich über zehn, elf Jahre hinweg ein planbarer Weg aufbauen, der sowohl den teuren Pilotenwunsch des einen Kindes als auch die Ausbildung des anderen Kindes absichert, ohne die eigene Altersvorsorge oder die Immobilie zu gefährden? Dieser Ratgeber zeigt an ihrem Beispiel, welche Bausteine dafür infrage kommen.
Die Pilotenausbildung so teuer: Anders als bei den meisten Studiengängen gibt es kein BAföG, das die Kosten trägt, und auch klassische Studienkredite decken die Summen oft nur teilweise ab. Wichtig zu wissen: Manche Fluggesellschaften bieten eigene Ab-initio-Programme an, bei denen die Ausbildung ganz oder teilweise übernommen wird – im Gegenzug verpflichten sich die künftigen Piloten meist für mehrere Jahre an das Unternehmen. Diese Plätze sind jedoch sehr begehrt und die Auswahlverfahren streng. Wer sich allein auf einen solchen Platz verlässt, geht ein Risiko ein. Deshalb lohnt es sich, parallel eine eigene Finanzierungsstrategie aufzubauen.
Der erste Schritt: Zeit als wichtigste Ressource nutzen
Der größte Vorteil der Familie Wagner ist simpel: Peter ist erst sieben. Bis zu einer möglichen Ausbildung mit 18 oder 19 Jahren bleiben elf bis zwölf Jahre. Über einen solchen Zeitraum wirkt der Zinseszinseffekt spürbar. Bei Martina, die bereits elf ist, bleiben dagegen nur noch sieben bis acht Jahre bis zum Studienbeginn. Das bedeutet: Für sie muss mit höheren monatlichen Raten oder anderen Prioritäten gerechnet werden, denn ein Studium beginnt oft früher als eine Flugausbildung und die Anlagezeit ist kürzer.
Vorsicht: Eine falsche Reihenfolge kostet Rendite. Wer erst spät beginnt zu sparen, muss deutlich höhere monatliche Beträge aufbringen, um dieselbe Zielsumme zu erreichen. Ein früher Start – auch mit kleinen Beträgen – ist der wichtigste Hebel überhaupt.
Baustein 1: Kindergeld konsequent zurücklegen
Ein naheliegender und oft unterschätzter Baustein ist das Kindergeld. Seit Januar 2026 liegt das Kindergeld (bei zwei Kindern) einheitlich bei 259 Euro pro Kind und Monat. Für die Wagners bedeutet das: Legen sie das Kindergeld für Peter konsequent ab sofort zurück, kommen bei einer Sparzeit von rund elf Jahren mehrere Zehntausend Euro zusammen – ganz ohne dass das Familienbudget zusätzlich belastet wird. Wichtig ist dabei nur, das Geld tatsächlich beiseite zulegen und nicht im laufenden Konsum verschwinden zu lassen, etwa durch einen automatischen Dauerauftrag auf ein separates Konto oder Depot.
Baustein 2: Sparen mit ETF-Sparplänen auf ein Kinderdepot
Für einen Zeithorizont von zehn Jahren oder mehr gilt ein breit gestreuter ETF-Sparplan auf ein Depot im Namen des Kindes häufig als eine der renditestärksten Optionen für Familien. Anders als beim klassischen Sparbuch oder Tagesgeldkonto, bei dem die Zinsen kaum die Inflation ausgleichen, können Aktienmärkte über lange Zeiträume historisch eine deutlich höhere durchschnittliche Rendite erzielen. Das Risiko liegt in den Schwankungen: Kurz vor dem Zeitpunkt, an dem das Geld gebraucht wird, sollte das Depot schrittweise in sicherere Anlagen umgeschichtet werden, damit ein ungünstiger Markteinbruch kurz vor Ausbildungsbeginn nicht die gesamte Summe gefährdet.
Wichtig: Ein Depot, das auf den Namen des Kindes läuft, gehört rechtlich dem Kind. Das kann steuerlich Vorteile bringen, weil Kinder ihren eigenen Sparerpauschbetrag nutzen können, bedeutet aber auch, dass die Eltern ab der Volljährigkeit keinen Zugriff mehr auf das Vermögen haben – Peter allein entscheidet dann, wofür er das Geld einsetzt. Wer das vermeiden möchte, kann das Depot stattdessen auf den eigenen Namen führen und dem Kind das Geld später zweckgebunden zur Verfügung stellen.
Baustein 3: Bausparvertrag oder Festgeld als sicherer Baustein
Neben dem chancenreicheren ETF-Sparplan bietet sich ein zweites, sichereres Standbein an, etwa ein Bausparvertrag oder ein gestaffeltes Festgeld. Die Rendite fällt hier deutlich niedriger aus, dafür ist die Summe zum geplanten Zeitpunkt verlässlich verfügbar – unabhängig davon, wie sich die Börse gerade entwickelt. Für Familien, die den Ausbildungsstart nicht verschieben können, ist diese Verlässlichkeit oft mehr wert als die zusätzliche Rendite. In der Praxis kombinieren viele Familien beide Wege: einen Teil chancenorientiert über Wertpapiere, einen Teil planbar über Fest- oder Tagesgeld.
Baustein 4: Vermögenswirksame Leistungen und Arbeitgeberzuschüsse
Wenn Herr oder Frau Wagner über ihren Arbeitgeber vermögenswirksame Leistungen erhalten, lohnt sich ein Blick darauf, ob diese – zusätzlich zur eigenen Altersvorsorge – auch in einen Sparplan zugunsten der Kinder fließen können. Auch ein Vergleich mit staatlichen Förderungen wie der Arbeitnehmersparzulage kann sich lohnen, auch wenn die Einkommensgrenzen hier häufig eng gefasst sind.
Baustein 5: Bildungskredite, Stipendien und Ab-initio-Programme als Ergänzung – nicht als Plan A
Erreicht die eigene Rücklage zum Zeitpunkt der Ausbildung nicht die volle Summe, bleiben ergänzende Optionen:
- Bildungskredite spezialisierter Anbieter, die gezielt Flugausbildungen finanzieren, meist zu marktüblichen oder leicht vergünstigten Zinsen.
- Stipendien und Förderprogramme einzelner Fluggesellschaften oder Verbände, die talentierte Bewerber unterstützen – die Auswahl ist jedoch meist sehr kompetitiv.
- Ab-initio-Programme von Airlines, bei denen die Ausbildung ganz oder teilweise finanziert wird, oft verbunden mit einer mehrjährigen Bindung an das Unternehmen nach dem Abschluss.
- Familiäre Unterstützung, etwa durch Großeltern, die frühzeitig kleinere Schenkungen zugunsten der Enkel vornehmen – hier gelten steuerliche Freibeträge, die eine vorausschauende Planung sinnvoll machen.
Aber: Wer sich allein auf einen Ab-initio-Platz oder ein Stipendium verlässt, plant riskant. Die eigene Rücklage sollte die tragende Säule bleiben, alle weiteren Optionen sind willkommene Ergänzungen, kein verlässlicher Grundpfeiler.
Zwei Kinder, zwei Zeithorizonte: Wie Familien Prioritäten setzen
Ein Punkt, den viele Familien mit mehreren Kindern unterschätzen: Die Sparpläne für Peter und Martina sollten getrennt betrachtet werden, weil ihre Zeithorizonte unterschiedlich sind. Für Martina, die in sieben bis acht Jahren ein Studium beginnen könnte, sind sichere und mittelfristig verfügbare Bausteine wichtiger, während für Peter mit elf Jahren Vorlauf ein größerer Anteil in chancenreichere Anlagen fließen kann. Grundsätzlich gilt: Je näher der Zeitpunkt rückt, an dem das Geld gebraucht wird, desto sicherer sollte das Ersparte angelegt sein.
Eine hilfreiche Faustregel für Familien mit begrenztem Budget ist, zunächst einen Grundbetrag für beide Kinder gleichermaßen zurückzulegen (etwa das jeweilige Kindergeld) und zusätzliche freie Mittel dann nach Dringlichkeit zu verteilen – also tendenziell etwas mehr für das Kind, dessen Ausbildungsstart näher liegt.
Wie viel müssten die Wagners monatlich zurücklegen?
Ein illustratives Rechenbeispiel, das die Größenordnung zeigt: Wollen die Wagners bis zu Peters 18. Geburtstag rund 60.000 Euro als Eigenanteil für die Flugausbildung ansparen (den Rest decken idealerweise Kredit, Stipendium oder ein vergünstigtes Airline-Programm), und bleiben elf Jahre Zeit, ergibt sich bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 5 Prozent pro Jahr über einen ETF-Sparplan ein monatlicher Sparbetrag von grob 340 bis 370 Euro. Fließt das Kindergeld von 259 Euro automatisch mit hinein, bleibt eine zusätzliche eigene Sparleistung von rund 80 bis 110 Euro im Monat – ein Betrag, der für viele Familien mit zwei Einkommen realistisch planbar ist. Diese Zahlen sind rein illustrativ und ersetzen keine individuelle Finanzplanung, denn tatsächliche Renditen schwanken und lassen sich nicht garantieren.
Eigentumswohnung zuerst abbezahlen oder parallel sparen?
Eine Frage, die sich viele Familien wie die Wagners stellen: Sollte man zuerst den Immobilienkredit schneller tilgen und erst danach für die Kinder sparen? Pauschal lässt sich das nicht beantworten. Wichtig ist ein Vergleich der Zinssätze: Liegt der Zinssatz des Immobilienkredits deutlich über der erwarteten Rendite der Geldanlage, kann eine schnellere Tilgung finanziell sinnvoller sein. Liegt er darunter, spricht mehr für den parallelen Vermögensaufbau. In der Praxis ist für die meisten Familien jedoch weder Alles-oder-nichts die beste Art vorzugehen: Ein moderater, aber konsequenter paralleler Sparplan neben der planmäßigen Tilgung ist oft der praktikablere Weg, weil er Flexibilität erhält und nicht ausschließlich vom Immobilienwert abhängt.
So oder ähnlich geht es vielen Familien
Die Geschichte der Wagners ist mit Hilfe von KI und unter Aussicht von professionellen Journalisten konstruiert, doch die Situation dahinter betrifft sehr viele Familien in Deutschland: ein teurer Berufs- oder Studienwunsch, begrenztes Haushaltsbudget, eine noch abzuzahlende Immobilie und die Frage, wie sich das alles unter einen Hut bringen lässt. Die gute Nachricht: Der Mechanismus, der hier hilft, ist immer derselbe – ein früher Start, eine Kombination aus sicheren und chancenreicheren Bausteinen, konsequente Nutzung staatlicher Leistungen wie des Kindergelds sowie ein realistischer Blick auf ergänzende Finanzierungswege wie Kredite oder Förderprogramme. Wer diese Elemente kombiniert, verwandelt eine auf den ersten Blick übermächtige Summe in ein planbares Sparziel.
Checkliste: Die wichtigsten Schritte im Überblick
- Frühzeitig ein separates Konto oder Depot pro Kind einrichten.
- Kindergeld automatisch und konsequent zurücklegen.
- Je nach Zeithorizont einen ETF-Sparplan und/oder Festgeld/Bausparvertrag kombinieren.
- Rendite und Risiko mit näher rückendem Ausbildungsbeginn schrittweise absichern.
- Ergänzende Fördermöglichkeiten wie Stipendien, Ab-initio-Programme oder Bildungskredite frühzeitig recherchieren – aber nicht allein darauf verlassen.
- Immobilienkredit und Sparziel gegeneinander abwägen statt strikt nacheinander zu planen.
- Bei mehreren Kindern die Sparpläne getrennt nach individuellem Zeithorizont gestalten.
Fazit
„Als Peter mir zum ersten Mal erzählt hat, dass er Pilot werden will, dachte ich nur an die Kosten", sagt Herr Wagner rückblickend. „Heute, mit einem klaren Plan aus Kindergeld, Sparplan und ein bisschen Geduld, macht mir dieser große Traum keine Angst mehr – ich weiß, wir sind auf einem guten Weg."

